Wir als BDKJ-Diözesanverband Osnabrück sind ein großer Befürworter von Europa und der EU, denn für uns stehen sie für die Werte wie Frieden, Menschenrechte und Demokratie. Doch seit einigen Tagen stellen wir uns die Frage „Ist das Europa?“, denn wenn wir auf die aktuellen Geschehnisse in Moria schauen fehlen uns die Worte. Auch die Situation einiger Menschen mit Fluchthintergrund in unserem Umfeld machen uns derzeit sprachlos.

Schon 2015 haben wir in unserer Arbeitshilfe „Flucht und Migration“ erklärt, dass das gemeinsame Europäischen Asylsystems mit seiner Abschottungspolitik und der Dublin-III-Verordnung eine Lösung ist, die die Würde der Menschen, die zu uns kommen wollen, verletzt. Das Dublin-III-Verfahren ist ein Zuständigkeitsverfahren, welches Menschen dazu zwingt, in dem europäischen Land zu bleiben, indem die Person zum ersten Mal die EU-Grenzen betritt. Diese Verordnung wurde zu Zeiten verabschiedet, in denen deutlich weniger Menschen auf der Flucht waren. Trotz der seit 2015 erhöhten Zahlen an Menschen, die zu uns kommen, halten die EU-Staaten an dieser Regelung fest. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Länder am Mittelmeer die Zahl der Menschen, die zu ihnen kommen, nicht bewältigen können und/oder wollen, was für die Menschen vor Ort ein Festhalten in teils unmenschlichen Lagern bedeutet.

Die Bilder aus Moria sind schrecklich! Das völlig überfüllte Lager Moria ist zu großen Teilen abgebrannt und steht als Beispiel dafür, was auch in allen anderen Lagern auf den griechischen Inseln Samos, Chios, Kos und Leros jederzeit passieren kann. Die Menschen in den Lagern leben zusammengepfercht auf engstem Raum unter katastrophalen Bedingungen. Sie erhalten weder zeitnah die Möglichkeit einen Asylantrag zu stellen, noch können sie in ihre Heimat zurückkehren. Katastrophen wie eine Ausbreitung von Covid-19 oder der Brand in Moria sind vorhersehbar und verhinderbar! 13.000 Menschen haben in Moria nicht nur ihren Schlafplatz, sondern mittlerweile auch ihre Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa verloren.

Auch Menschen, denen es in den letzten Jahren gelang, die überfüllten Lager an den EU-Außengrenzen zu verlassen und in Deutschland eine neue Heimat finden, sind oft durch die Dublin-III-Verordnung sinnloser Ungerechtigkeit ausgesetzt. Unser Freund Ahmed beispielsweise, der in Osnabrück sein neues Zuhause gefunden hat, unsere Sprache fließend spricht, sich integriert und sogar ein Studium beginnen dürfte, soll nun wieder nach Griechenland abgeschoben werden, da er dort vor Jahren einen Asylantrag gestellt hat. Oder Mohammed, der 18jährige Syrer, der aktuell auf seine Abschiebung nach Italien wartet, obwohl er hier in Osnabrück bei seinem großen Bruder unterkommen kann.

Wir fragen uns, warum an diesen Regelungen festgehalten wird, denn wir nehmen seit langem immer wieder eine Aufnahmebereitschaft und ein „Willkommen heißen“ in unserer Gesellschaft wahr. Wir fragen uns, warum die humanitäre Notlage auf den griechischen Inseln und in allen Lagern an der EU-Außengrenze weiter andauern muss, bis sich die Europäischen Staaten geeinigt haben die Menschen gleichmäßig in Europa zu verteilen.

Wir als BDKJ fordern unsere Abgeordneten im Landtag, im Bundestag und im Europaparlament auf ihre politischen Mandate umgehend dafür zu nutzen, das Asylsystem zu verändern! Es muss bei Entscheidungen auf die Menschenrechte geachtet werden und unsere Europäischen Werte beibehalten werden

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Über den Autorn

Vera Seeck

Vera Seeck ist Mitarbeiterin in der Diözesanstelle des BDKJ Osnabrück. Weitere Informationen zu Vera Seeck finden sich hier. Ihre Beiträge können hier aufgerufen werden.