Nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag verkündete: “Wir haben die Tore geöffnet”, und sich anschließend tausende Geflüchtete an die Grenze aufmachten, häufen sich erschreckende und schockierende Nachrichten von den EU-Außengrenzen. Es drängten am Wochenende ungefähr 15.000 Geflüchtete an der türkisch-griechischen Landgrenze gegen den Grenzzaun, wo sie mit Tränengas und Warnschüssen zurückgetrieben wurden. Auf der Insel Lesbos herrscht der Ausnahmezustand: Flüchtlingsboote werden daran gehindert, an Land anzulegen und Faschist*innen greifen Geflüchtete, NGOs und Reporter*innen an.

Nach dem Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, hat jeder Mensch das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen. Die Würde aller Menschen ist als gleich zu betrachten – unabhängig ihrer Religion, Nation, Ethnie, sexueller Orientierung oder des Geschlechts. Die Menschen, die nun an den EU-Außengrenzen verweilen und auf unterschiedlichen Wegen versuchen, nach Europa zu kommen, tun dies nicht ohne Grund. Sie haben ihre Heimat aus Not verlassen und sind nun auch in der Türkei nicht in der Lage, ein Leben in Frieden zu führen.

Es ist daher als höchst kritisch zu erachten, dass Griechenland für einen Monat das Recht auf Asyl aussetzen will und die Rückführung von Menschen androht, ohne ihnen ein faires Asylverfahren zu gewähren. Die griechische Regierung untergräbt damit einen Eckpfeiler des Flüchtlingsgesetzes und schafft hiermit einen gefährlichen Präzedenzfall, der die Zukunft des Flüchtlingssschutzes insgesamt in Frage stellt. Um die Situation zu entschärfen, müssen die Mitgliedsländer der EU gemeinsam eine Lösung finden, die Menschen in den Grenzgebieten zu versorgen, unterzubringen und politisch mit der Türkei zu verhandeln. Die Situation darf nicht auf Kosten der Geflüchteten ausgetragen werden! Noch hören wir in den Medien allerdings mehr den Ruf nach einem stärkeren Grenzschutz und die Sorge vor einem „erneuten 2015“, als dass wir gemeinsam nach menschlichen Lösungsansätzen suchen. Wir finden, dies muss sich dringend ändern.

Schon 2015 war der BDKJ-Diözesanverband Osnabrück mit seinen Mitglieds- und Regionalverbänden in seinem Beschluss „Wir heißen willkommen!“ davon überzeugt, dass sich Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, in einer Notlage befinden: sie versuchen ihr Leben und das Leben ihrer Kinder zu retten. Kein Mensch flieht ohne Grund. An dieser Situation hat sich auch 2020 aus unserer Sicht nichts geändert! Daher fordern wir von Politik, Kirche und unserer Gesellschaft, diesen Menschen in Not unsere Hilfe anzubieten, ihnen Zugang zu einem fairen Asylverfahren zu bieten und sie in unserer Mitte willkommen zu heißen!

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Über den Autorn

Vera Seeck

Vera Seeck ist Mitarbeiterin in der Diözesanstelle des BDKJ Osnabrück. Weitere Informationen zu Vera Seeck finden sich hier. Ihre Beiträge können hier aufgerufen werden.