Wer meine Beschreibung gelesen hat, hat gesehen, dass ich gerne Wandern gehe. Also kurz gesagt, den Rucksack packen und nichts wie los. Obwohl ich nicht ganz so spontan bin und es vermutlich lieber wäre.

Wie mir geht es anscheinend vielen. Immer wieder höre ich davon, dass Leute Wandern gehen, raus in die Natur, so richtig einen auf „Outdoor“ machen. Ich kann es gut verstehen, wenn sich Leute auf der Suche nach etwas Ruhe in die Natur begeben. Ich mache das ja schließlich auch. Viele überwinden bei dieser Such nach Natur und Ruhe viele tausend Kilometer. Es muss immer höher, weiter und abenteuerlicher sein. Am besten auf einen Berg oder nach Afrika, wilde Tiere in der Savanne beobachten. Immer den nächsten Kick im Blick und möglichst viele Fotos in den sozialen Netzwerken teilen, damit alle sehen wie „Outdoor“ man so ist. Wow das klingt schon irgendwie polemisch…

Gestern habe ich eine Doku gesehen, auf Youtube (den Link gibt es unten!). Das Ganze lief unter den Namen: „Müll und Massentourismus: Outdoor-Wahnsinn auf dem Kilimandscharo“. Die dort gezeigten Bilder sind eindeutig und auch die Probleme des Massentourismus werden deutlich. In der Doku werden Zahlen von ca. 50.000 Touristen in einem Jahr genannt. Da ist es für mich nicht verwunderlich, dass es auch Touristen gibt, denen die Umwelt weniger am Herzen liegt.

Dabei stellten sich mir folgende Fragen:
Puhh muss das sein? Ist das wirklich nötig? Tausende Kilometer reisen alles mit Müll überschwemmen und dann wieder abreisen als wäre nichts gewesen? Die Ausbeutung der Träger möchte ich dabei gar nicht bedenken…!

Tatsächlich gibt es aber auch Alternativen! Ich muss gar nicht so weit weg fahren um die Natur zu erleben oder ein Abenteuer zu erfahren! Das Ganze läuft unter dem Titel „Mikroabenteuer“. Die Idee dahinter ist: Das Abenteuer liegt vor der Haustür, du musst es nur suchen und finden. Oder nur den Schritt aus der Haustür herausmachen. Hier in Deutschland wird dieser Begriff vor allem durch Christo Foerster in die weite getragen. Er ist der Autor des Buches „Mikroabenteuer“ und ist im Internet auch durch das Projekt „Raus und machen“ bekannt. Er beschreibt Mikroabenteuer, in einem Interview, als etwas, dass vor der Haustür liegt und ohne großen Aufwand gemacht werden kann. Ohne große finanzielle Mittel, ohne weite Anreisezeiten (Kretschmer 2018). Kurz gesagt etwas, das jeder in Angriff nehmen kann ohne auf den Kilimandscharo zu müssen. Vielleicht müssen wir wieder kleiner Denken, auch das führt Christo Foerster in dem Interview an. Vielleicht hilft es ja auch zu wissen, dass das Abenteuer vor der Wohnungstür liegt und ich es vielleicht einfach nur annehmen muss. (Unten gibt’s dazu auch noch ein paar interessante Links!)

Das alles hat für mich zudem einige Vorteile. Ich spare echt viele Emissionen die ich nicht in die Luft puste. Außerdem bin nicht abhängig von anderen und kann ein Abenteuer für mich selbst erleben, ohne auf Träger oder ähnliches angewiesen zu sein. Ich kann mir einen kurzen Rahmen setzten und muss keinen langen Urlaub nehmen. Das klingt für mich auch um einiges mehr nach freier, wilder Natur und auch irgendwie fairer…

Winfried Kretschmer. In: Ärzte Zeitung. Ärzte Zeitung Verlagsgesellschaft mbH, 2018
Das erwähnte Video: https://www.youtube.com/watch?v=GWhl3-17ALE [21.11.18] Raus und machen: https://www.facebook.com/rausundmachen [21.11.18] Mehr zu Christo Foerster: https://www.christofoerster.com/mikroabenteuer [21.11.18]

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Über den Autorn

Nils Kothöfer