Eine neue Studie von ARD und ZDF sagt, dass 90 % der Menschen in Deutschland „online“ sind, also das Internet benutzen. Das klingt viel, aber eigentlich ist die Unterscheidung zwischen „online“ und „offline“ heute so überflüssig wie ein piependes und quietschendes Modem.

Viele alltägliche Dinge – Einkaufen, Auto fahren, Radio hören, Fernsehen, Telefonieren, … – hängen heute in irgendeiner Weise mit dem Internet zusammen. Leben 4.0 soll heißen, dass das Internet nichts mehr ist, was in einem PC-Monitor zu Hause ist, sondern dass wir fast überall und immer schon heute in einer digitalen Lebenswelt sind.

An dieser Lebenswelt ist aber trotz der hohen Zahl von oben gar nicht mal jeder interessiert. Das merke ich recht häufig, wenn ich mit verschiedensten Menschen über die digitale Transformation spreche. Immer wieder höre ich Leute, die sagen, sie hätten von alledem überhaupt keine Ahnung und diese ganze Sache mit dem Internet und den Smartphones wäre auch grundsätzlich nichts Gutes. Ich glaube, fahrlässiger kann man gar nicht mit dem Thema umgehen.

Wer es sich so einfach macht und nur skeptisch an die Sache geht ohne sich zu interessieren und informieren, zieht sich aus der Diskussion komplett raus. Das verhagelt aber jede Chance darauf, die digitale Lebenswelt sinnvoll mitzugestalten. Es gibt schließlich genug Menschen, die sich ganz intensiv mit Technik beschäftigen und ihre Weiterentwicklung vorantreiben. Die sitzen dann häufig auf der Seite der Entwickler und haben nicht unbedingt immer nur das Wohl der Menschheit im Blick, sondern Nutzerzahlen, Daten oder Profit.

Versteht mich nicht falsch. Weder bin ich ein Freund von blinder Technikeuphorie noch glaube ich, dass in der IT-Branche nur gewissenlose Menschen ohne Sinn für Privatsphäre sitzen. Ich bin aber überzeugt, dass wir als Jugendverbände und als Kirche einen anderen Blick auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben haben, der in der Digitalisierung manchmal fehlt. Wir sollten uns deshalb einmischen und den digitalen Wandel durch unsere Sicht der Dinge mitgestalten – politisch, indem wir uns für sinnvolle Gesetze einsetzen; als Anwender, indem wir manche Apps und Dienste nutzen und andere nicht; in der Jugendarbeit, indem wir unsere jungen Leute mitnehmen und gemeinsam mit ihnen darüber nachdenken, was hier eigentlich gerade mit uns und der Welt passiert.

Das geht aber nur, wenn wir uns interessieren, wie Technik funktioniert, was sie macht und wozu sie gut ist. Gerade wir sollten uns offen, konstruktiv und optimistisch, aber nicht unkritisch mit der Digitalisierung beschäftigen. Alte, grummelnde Menschen, die nur Bedenken sehen und am liebsten die Uhr zurück drehen wollen, gibt es gerade genug.

Info: Der BDKJ Diözesanverband Osnabrück beschäftigt sich deshalb schon seit einiger Zeit mit dem „Leben 4.0“. Für mehr Infos dazu schaut euch bei unseren Themen um.

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Über den Autorn

Dr. Fabian Sandkühler

Dr. Fabian Sandkühler ist Mitarbeiter in der Diözesanstelle des BDKJ Osnabrück. Weitere Informationen zu Fabian Sandkühler finden sich hier. Seine Beiträge können hier aufgerufen werden.