Als Vorstand des BDKJ-Diözesanverbandes Osnabrück nehmen wir mit großem Erschrecken die aktuell häufig polarisierenden Debatten über den Umgang mit geflüchteten Menschen bzw. die Rolle des Islam wahr. Dabei entsetzt uns die von einigen Seiten geäußerte Menschenverachtung, Diffamierung, Ausgrenzung und Pauschalisierung.

„In vielen Fragen kann es unter Christinnen und Christen unterschiedliche Auffassungen geben. Diese Vielfalt findet dort ihre Grenze, wo politische Auffassungen oder Taten die ‚Achtung vor der menschlichen Person‘ bzw. die ‚Gleichheit aller Menschen und die soziale Gerechtigkeit‘ in Frage stellen oder verletzen: ‚Jede Form einer Diskriminierung in den gesellschaftlichen und kulturellen Grundrechten der Person, sei es wegen des Geschlechts oder der Rasse, der Farbe, der gesellschaftlichen Stellung, der Sprache oder der Religion, muss überwunden und beseitigt werden, da sie dem Plan Gottes widerspricht.‘“[1] So hat bereits die bundesweite BDKJ-Hauptversammlung 2016 in ihrem Beschluss „Wir widersprechen – weil wir glauben“ klar Position gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus bezogen.

In den aktuellen gesellschaftlichen Debatten stellt sich uns als Kinder- und Jugendverband, der unter den Schlagworten „katholisch – politisch – aktiv“ tätig ist, u. a. die Frage des Umgangs mit Parteien, die rechtspopulistische Haltungen vertreten und propagieren, wie z. B. die „Alternative für Deutschland“ (AfD) sowie ihre Jugendorganisation, die „Junge Alternative“ (JA). Dabei unterstützen wir in vollem Umfang die Position der deutschen Bischofskonferenz: „Es geht uns nicht um eine Stigmatisierung der AfD. Aber wir distanzieren uns klar vom populistischen Vorgehen und vielen inhaltlichen Haltungen der Partei, die in Wahlprogrammen und öffentlichen Äußerungen deutlich werden. […] Mit einer christlichen Perspektive ist politisches Agieren nicht vereinbar, das vom Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen, einem nationalistischen Kulturverständnis, Religionsfreiheit unter dem Vorbehalt staatlicher Kontrolle oder der grundsätzlichen Infragestellung der repräsentativen Demokratie lebt. Wir lehnen eine politische Einseitigkeit ab, die Antworten auf drängende Fragen einer globalisierten Welt stets so gibt, dass es auf Abschottung und Rückkehr in längst vergangene Zeiten hinausläuft, die vermeintlich Sicherheit gewährleisten.“[2]

Für uns im BDKJ-Diözesanverband existieren dabei nicht nur Differenzen zu einzelnen Positionen rechtspopulistisch geprägter Parteien, sondern wir sehen grundsätzliche Unterschiede im Wertefundament. Unser christlicher Glaube, aus dem wir leben, kirchlich und gesellschaftlich aktiv werden, lehrt uns, andere Menschen anzunehmen. Hierbei muss unsere besondere Aufmerksamkeit benachteiligten Menschen sowie denen gelten, die keine Lobby haben. Wir sehen in der Tradition des „christlichen Abendlandes“ keine Möglichkeit der Aus- und Abgrenzung, sondern einen Auftrag zu Solidarität und Menschenfreundlichkeit.

Wir sehen es als wichtig an, uns mit den Ängsten, Sorgen und Fragen insbesondere vieler junger Menschen, die sich in einer für sie nicht mehr durchschaubaren und multikulturellen Welt ‚unbehaust‘, fremd und in der Folge unsicher fühlen, zu befassen. Dabei wollen wir uns auf der Grundlage einer demokratischen Kultur mit den diesbezüglichen Antworten rechtspopulistisch geprägter Parteien argumentativ auseinandersetzen. Nationalistische, rassistische, antisemitische, islamfeindliche und menschenverachtende Positionen sind für uns nicht dialogfähig. Diesen werden wir im Rahmen unserer Verantwortung und unserer Veranstaltungen keinen Raum geben.

Der Vorstand des BDKJ-Diözesanverbands Osnabrück beschließt daher:

•Vertreterinnen und Vertreter des BDKJ-Diözesanverbandes werden nicht an Veranstaltungen rechtspopulistisch geprägter Parteien teilnehmen.

•Der BDKJ-Diözesanverband wird zu seinen Veranstaltungen keine Vertreterinnen und Vertreter rechtspopulistisch geprägter Parteien einladen. Bei Anmeldung von Mitgliedern solcher Organisationen zu offen ausgeschriebenen Veranstaltungen wird der Vorstand kritisch prüfen, ob eine Ausladung ausgesprochen werden muss.

•Der Vorstand des BDKJ-Diözesanverbandes wird die Teilnahme an Veranstaltungen Dritter kritisch prüfen, wenn hierbei rechtspopulistisch geprägte Parteien in aktiver Rolle beteiligt sind und auch der BDKJ-Diözesanverband mit einer aktiven Rolle angefragt ist.

[1] Bund der Deutschen Katholischen Jugend, Beschluss der Hauptversammlung vom 23.04.2016, http://www.bdkj.de/fileadmin/bdkj/Dokumente/HV/2016/Beschluss_Wir_widersprechen_weil_wir_glauben.pdf
[2] Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 09.03.2017, http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2017/2017-044-Pressebericht-FVV-Bensberg.pdf 
 
 
 
MATERIALIEN, LITERATUR UND METHODEN UM RECHTSPOPULISMUS KEINE BÜHNE ZU BIETEN
 
 
 ANREGUNGEN FÜR ARGUMENTATIONSTRAININGS

Widersprechen, aber wie? Argumentationstraining gegen rechte Parolen
Die Publikation des bpb bietet eine ausführliche Übersicht über das Argumentationstraining gegen rechte Parolen und die Möglichkeit, das Training mit Jugendlichen in der außerschulischen Bildung selbst durchzuführen. http://www.bpb.de/shop/buecher/einzelpublikationen/218605/widersprechen-aber-wie

Gegen Vorurteile: Wie du dich mit guten Argumenten gegen dumme Behauptungen wehrst von Nina Horaczek und Sebastian Wiese (ISBN: 978-3707606072)
Ein Buch für alle, die mitreden möchten! Nehmen uns Ausländer die Arbeitsplätze weg? Ist die EU undemokratisch? Ist das Kopftuch ein politisches Symbol? War unter den Nazis doch nicht alles schlecht? Dieses Handbuch gegen Vorurteile liefert objektive Fakten zu Themen wie Ausländerpolitik, Islam, EU und Nationalsozialismus.

Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. Materialien und Anleitungen für Bildungsarbeit und Selbstlernen von Klaus P Hufer (ISBN: 978-3879200542)
Wem ist es nicht schon einmal begegnet? Der Onkel wettert beim Familienfest, der Nachbar bringt starke Sprüche am Gartenzaun, das Publikum beim Fußball brüllte komische Parolen… Doch was kann man dazu eigentlich sagen?
 
 

RECHTE SYMBOLE ERKENNEN

Rechtsradikale Gesinnungen kann man einem nicht ansehen, oder doch? Neofaschistische Einflüsse zeigen sich in der Musik, der Kleidungs-Ordnung, in Codes und Symbolen. Für all diejenigen, die täglich mit Jugendlichen arbeiten, ist es oft schwer, diese zu erkennen und zuzuordnen. Unter „Das Versteckspiel“ findet ihr eine Übersicht bekannter Merkmale. http://www.dasversteckspiel.de/index.php?id=26&stufe=26&finder=1

 

METHODEN UND MATERIAL FÜR NICHT RASSISTISCHE BILDUNGSARBEIT

• Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit
Eine Methodensammlung mit dem Titel „Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit“ wurde vom DGB-Bildungswerk Thüringen e.V. erstellt. Das Konzept und die einzelnen Methoden sind online frei zur Verfügung gestellt.
http://baustein.dgb-bwt.de/index.php4

Bundeszentrale für politische Bildung
Die bpb verfolgt die Ziele politischer Bildung in unserer Gesellschaft zu verankern. Sie stellen daher verschiedene Angebot an Print-Publikationen, Veranstaltungen, Kongresse und Seminare in ihrem Online-Portal zur Verfügung. Gerade für die Nicht rassistische Bildungsarbeit, lässt sich hier eine Menge an Methoden und Publikationen finden.
http://www.bpb.de

• Vielfalt-Mediathek
Das Informationsportal Vielfalt-Mediathek stellt Aktiven in der außerschulischen Bildungsarbeit kostenfrei per Ausleihe oder zum Download Material zu Themen wie Prävention und Intervention bei Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus, religiösem Fundamentalismus sowie zu interkulturellem Lernen, Diversität und Demokratiepädagogik zur Verfügung. https://www.vielfalt-mediathek.de/

 

STIFTUNGEN UND NETZWERKE FÜR DEMOKRATIE

• IDA e.V.
Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA) wurde 1990 auf Initiative von demokratischen Jugendverbänden in der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Es fungiert als Dienstleistungszentrum, das in den Themenfeldern (Anti-)Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Interkulturelle Öffnung, Diversität, (Anti)-Diskriminierung und Migration informiert, dokumentiert, berät und qualifiziert.
http://www.idaev.de/startseite/

Amadeu Antonio Stiftung
Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Die Stiftung will die Zivilgesellschaft in Deutschland gegen Antisemitismus (auch in Form von Antizionismus), Rassismus und Rechtsextremismus stärken. Dazu unterstützt sie Initiativen und Projekte in Jugendkultur, Schulen, Opferschutz, Flüchtlingsinitiativen oder Demokratieprojekte finanziell, durch Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und kommunale Netzwerke. Ferner unterstützt sie Hilfsangebote für Aussteiger aus der Neonazi-Szene. http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/

 

WATCHBLOG

• Belltower.News
Belltower -Netz für digitale Zivilgesellschaft ist ein Watchblog der Amadeu Antonio Stiftung. Bis zum 3. April 2017 war es als Internetportal unter dem Namen Netz gegen Nazis bekannt. Mit einem neuen Internetauftritt ist er besonders Jugendgerecht gestaltet.
http://www.belltower.news/

• Mut gegen rechte Gewalt
Eine im August 2000, im Vorfeld des NPD-Verbotsverfahrens (2001–2003), gestartete Werbeaktion des Magazins Stern. Die dazugehörende Webseite will „mutige Menschen und gelungene Projekte vorstellen“ und soll zu mehr Zivilcourage ermutigen sowie Hilfe gegen den Rechtsextremismus leisten. https://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news